Landwirte können mit Ihren Fahrzeugen und technischen Möglichkeiten schlagkräftige Helfer bei der Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung sein. Die Initiative Red Farmer bringt das Angebot der Landwirtschaft mit der Nachfrage der Feuerwehr zusammen.
Umwelt

Initiative Red Farmer: Landwirte unterstützen solidarisch bei Wald- und Vegetationsbrand-Bekämpfung

In diesem Sommer füllen Bilder und Berichte über brennende Wälder und hunderttausende fliehende Menschen in Europa die Zeitungen. In Frankreich ist von der „schlimmsten Waldbrandsaison der vergangenen 20 Jahre“ die Rede. In Spanien sei die Situation sogar noch schlimmer. Das letztjährige Szenario der schlimmsten Waldbrände in der Geschichte Spaniens wiederhole sich derzeit auf einem ähnlich hohen Niveau. Und auch hierzulande rücken die wiederholten Hitzewellen und die regional anhaltende Trockenheit den Fokus auf das Brandrisiko des deutschen Waldes. Denn angesichts des fortschreitenden Klimawandels wird diese Gefahr immer realer.

Handlungsfähig im Brandfall

Ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschlands besteht aus Wald. Diese Wälder sind nicht nur ökologisch unverzichtbar, sondern auch wirtschaftlich für viele bäuerlichen Familienbetriebe ein wichtiges Standbein. Umso wichtiger ist es angesichts zunehmender Klimaveränderungen, nicht nur frühzeitig Strategien für mehr Resilienz des Waldes zu entwickeln, sondern auch handlungsfähig im Brandfall zu sein. Doch die Feuerwehr allein kann je nach Brandsituation schnell an ihre Grenzen geraten. Nicht nur Löschwasser kann knapp werden, sondern auch wichtige Gerätschaften zur effizienten Brandbekämpfung können fehlen. Das haben Landwirt Thomas Knecht und Winzer Ingo Pfalzgraf, beide stellvertretende Kreisvorsitzende des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz-Süd Kreis Südliche Weinstraße, erkannt und Red Farmer gegründet – eine online-Plattform, auf der sich Landwirte und Winzer mit ihren landwirtschaftlichen Gerätschaften freiwillig registrieren, die im Brandfall dann eingesetzt werden können. Laut der Initiatoren soll das Projekt als Netzwerk dienen um Hilfsangebote, auch überregional, zu bündeln. Viele Hilfsangebote gebe es bereits, aber meistens machten diese an den Verwaltungsgebiets-Grenzen halt. Das soll mit Red Farmer verbessert werden.  

Red Farmer ist ein weiteres, positives Beispiel für das gesellschaftliche Engagement unserer Landwirte. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der steigenden Gefahr von Bränden sind solche Initiativen für eine effektiven Brandbekämpfung sehr hilfreich. Nur in Kooperation von Landwirten und Feuerwehren werden wir diese Herausforderungen meistern.

– Joachim Rukwied, Präsident den Deutschen Bauernverbandes

Freiwillig und kompetent

Diese aktive und vorausschauende Unterstützung der Feuerwehr durch die Landwirtschaft ist nicht nur freiwillig, sondern in vielen Fällen auch hochkompetent, wie Karl-Friedrich Junker, Vorsitzender des Kreisverbands Südliche Weinstraße des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V., selbst bei Red Farmer registriert, weiß. Denn: „Viele unserer Mitglieder sind auch in der Feuerwehr aktiv und wissen daher, was vor Ort gebraucht wird.“ Helfen und sich bei Red Farmer registrieren können sich übrigens nicht nur Landwirte und Winzer, sondern beispielsweise auch Handwerksbetriebe und weitere Unternehmen mit Spezialgeräten, die der Feuerwehr zur Brandbekämpfung nützlich sein könnten. 

Traditionell sind viele Landwirte und Winzer in der Freiwilligen Feuerwehr engagiert oder unterstützen Einsatzkräfte vor Ort. Mit Red Farmer wird diese Zusammenarbeit auf ein neues Level gehoben. Die Vernetzung steigert nicht nur Schnelligkeit und Effizienz im Brandfall, sondern motiviert hoffentlich weitere Berufskollegen sich aktiv einzubringen.

– Eberhard Hartelt, DBV-Umweltbeauftragter und Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd

Kein Risiko für Helfer – auch im Einsatzfall stets freiwillig

Wer seine Fahrzeuge, landwirtschaftlichen Geräte oder andere Spezialgeräte zur Verfügung stellen will, muss sich im Red Farmer Portal registrieren. Im Brandfall werden die registrierten Landwirte über die zuständigen Leitstellen/Feuerwehren kontaktiert, um registrierte Geräte und Hilfe anzufordern. Sofern die Feuerwehr die Helfer zum Einsatz verpflichtet, sind sie nach den jeweiligen Landesgesetzen versichert. Ebenso ist auf dieser Grundlage eine Kostenerstattung möglich. Trotz Registrierung besteht zu keiner Zeit eine Verpflichtung für den Einsatzfall. 

Interview

Herr Knecht, Sie haben Red Farmer mitinitiiert. Was hat Sie angetrieben?

Thomas Knecht: Ausschlaggebend waren eigentlich 2 Fälle. Ein Großbrand in Herxheim-Hayna, wo wir von Seiten der Landwirtschaft mit Beregnungsbrunnen und Tankfahrzeugen unterstützt haben. Zum anderen die Ahrtal-Hochwasserkatastrophe 2021. Ingo Pfalzgraf (Winzer) und ich haben dort 25 sogenannte Vitamintransporte mit Obst und Gemüse organisiert. Im Jahr 2022 haben wir dann unsere Initiative nach einer Idee des Kreisfeuerwehrverbandes Main-Spessart gestartet. Im Jahr 2023 haben wir das Online-Portal etabliert und sind seit Dezember 2024 ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Die Basis wurde durch die Firma Arvato Systems in Gütersloh gelegt und mit Sponsoren z.B. die VR-Bank Südliche Weinstraße-Wasgau, die Firma Fendt oder Fliegl weiterentwickelt. Es geht uns darum, die Katastrophenhilfe neu zu denken. Die Feuerwehren geraten im Brandfall schon mal schnell an ihre Grenzen. Löschwasser fehlt oder Gerätschaften, die in der Landwirtschaft reichlich vorhanden sind. Also wollten wir Helfer aus Landwirtschaft und Weinbau mit den Feuerwehren verbinden, um das Notwendige mit dem Vorhandenen zusammenzubringen. Das heißt: Land- und Forstwirte sowie Winzer sorgen für den Transport und die Bereitstellung von Löschwasser und helfen mit landwirtschaftlichen Geräten aus, die der Feuerwehr im Brandfall fehlen. 

© Red Farmer

Thomas Knecht, Mitinitiator und 1. Vorsitzender von Red Farmer e.V. sowie stellvertretender Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz-Süd Kreis Südliche Weinstraße, links im Bild mit Bauernpräsident Joachim Rukwied

Welche Erfahrung haben Sie bisher gemacht?

Knecht: In den vergangenen 4 Jahren haben wir gemerkt, dass wir mit dem Projekt sehr viel Positives bewirken können – nicht nur bei der Waldbrandbekämpfung und bei Vegetationsbränden, sondern auch für die Wahrnehmung der Landwirtschaft in der Gesellschaft. Wir machen deutlich, dass Landwirtschaft viel mehr leistet als Nahrungsmittelproduktion oder Energieversorgung. 

Wie steht die Feuerwehr dazu?

Knecht: Viele Feuerwehrleute, darunter der Leiter des Arbeitskreise Waldbrand des Deutschen Feuerwehrverbandes, stehen hinter der Idee von Red Farmer, Gefahrenabwehr und Leistungserbringer aus Land- und Forstwirtschaft zu vernetzen. Insbesondere in den letzten Tagen, haben sich immer mehr Feuerwehren aufgrund der aktuellen Waldbrand- und Vegetationsbrandgefahr mit der Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit Red Farmer auseinandergesetzt und registrieren sich zunehmend auf unserem Online-Portal. Gemeinsam können wir die zukünftigen Herausforderungen meistern.

Wie soll es weitergehen?

Knecht: Aktuell ist Red Farmer in Rheinland-Pfalz, Bayern und Schleswig-Holstein aktiv. Da immer mehr Anfragen auch aus anderen Bundesländern kommen, ist es jetzt Zeit, die Initiative auf die Bundesebene zu heben. Hierzu brauchen wir aber Unterstützung, von Seiten des Deutschen Bauernverbandes und vor allem auch von weiteren Sponsoren, um unsere Idee in die Breite zu tragen.  

Interview: Dr. Anni Neu

Werden Sie Teil von Red Farmer!

Das Projekt aus der Südpfalz sucht seinen Weg in die Welt, wie es auf der Homepage heißt, und lebt davon, „dass Menschen unsere Vision teilen“. Dafür werden weitere Netzwerkpartner gesucht, die Red Farmer in ihren Regionen etablieren möchten und mit ihrem Beitrag die solidarische Waldbrand-Bekämpfung aktiv unterstützen wollen. 

Sie haben Fragen? Dann kontaktieren Sie direkt Red Farmer per mail unter info@redfarmer.eu

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Waldbrand Vegetationsbrand Red Farmer Katastrophenschutz Trockenheit Klimaanpassung Feuerwehr