Kooperation statt Einzelmaßnahme? Warum die Perspektive der landwirtschaftlichen Praxis jetzt entscheidend ist!
Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen stehen seit Jahren im Spannungsfeld zwischen fachlichen Zielsetzungen, administrativen Anforderungen und Praxistauglichkeit für die Betriebe. Während die Einzelmaßnahme auf Betriebsebene bislang den Regelfall darstellt, rücken kooperative Ansätze zunehmend in den Fokus der politischen Diskussion. Die zentrale Frage dabei lautet: Kann die gemeinsame Umsetzung von Maßnahmen auf regionaler Ebene wirksamer, flexibler und praxisnäher gestaltet werden? Genau hier setzt das Verbundprojekt MoNaKo – Modellhafte Erprobung von Naturschutz Kooperativen - an. Das Projekt erprobt seit Ende 2023 in vier Bundesländern das Modell der Naturschutz Kooperativen nach niederländischem, Vorbild. Ziel ist es, Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen gemeinschaftlich zu planen, zu beantragen und umzusetzen.
Praxiserprobung statt theoretischer Konzepte
Im Mittelpunkt von MoNaKo steht nicht die Entwicklung eines abstrakten Fördermodells, sondern die konkrete Erprobung unter realen Praxisbedingungen. In den Modellregionen in Niedersachsen, Rheinland‑Pfalz, Sachsen‑Anhalt und Brandenburg werden unterschiedliche Ausprägungen des kooperativen Ansatzes umgesetzt. Die Naturschutz‑Kooperativen übernehmen die Koordination, Planung und Antragstellung und sollen Betriebe und Verwaltung entlasten. Gleichzeitig versprechen überbetriebliche Planung und räumliche Lenkung der Maßnahmen eine höhere ökologische Wirksamkeit.
Begleitend untersucht das Thünen‑Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen die sozioökonomischen, organisatorischen und strukturellen Rahmenbedingungen. Dabei wird unter anderem analysiert, welche Faktoren den Erfolg kooperativer Ansätze beeinflussen, wo Hemmnisse liegen und inwiefern sich Verwaltungs‑ und Sanktionsaufwand reduzieren lassen.
Warum ist die Einschätzung der Praxis unverzichtbar?
Erste Erfahrungen zeigen: Der kooperative Ansatz funktioniert grundsätzlich – gleichzeitig treten in der Umsetzung auch administrative und rechtliche Herausforderungen zutage. Besonders deutlich wird dabei, dass Akzeptanz und Erfolg solcher Modelle maßgeblich von der Wahrnehmung und Bewertung durch die landwirtschaftlichen Betriebe abhängen. Vor diesem Hintergrund reicht es nicht aus, allein die Erfahrungen der unmittelbar beteiligten Projektregionen auszuwerten. Um belastbare Handlungsempfehlungen für eine mögliche Weiterentwicklung der Agrarumweltförderung – insbesondere mit Blick auf die GAP nach 2027 – ableiten zu können, braucht es ein breites Stimmungsbild aus der landwirtschaftlichen Praxis insgesamt.
Im Rahmen des Projekts MoNaKo wird aktuell eine bundesweite Online‑Umfrage unter Landwirten durchgeführt.
Die Befragung erfasst systematisch
- wie kooperative Agrarumweltmaßnahmen grundsätzlich eingeschätzt werden,
- welche Chancen und Risiken Betriebe darin sehen,
- unter welchen Bedingungen eine Teilnahme infrage käme – und
- welche Rolle Aspekte wie Planungssicherheit, Flexibilität, Vergütung und Bürokratie spielen.
Die Umfrage richtet sich ausdrücklich nicht nur an Betriebe mit Erfahrung in kooperativen Ansätzen, sondern auch an Landwirte, die sich bisher noch nicht mit kooperativen Modellen beschäftigt haben oder diese noch nicht praktisch erprobt haben. Gerade diese Einschätzungen sind wichtig, um Hemmnisse frühzeitig zu identifizieren.
Die Teilnahme an der Umfrage ist freiwillig, anonym und dauert etwa 10 bis 15 Minuten.
Zur Umfrage geht es hier!
Wie geht es weiter?
Die Ergebnisse der Umfrage fließen in die Begleitforschung des Thünen‑Instituts ein und werden gemeinsam mit den Erfahrungen aus den Modellregionen ausgewertet. Erste zusammenfassende Ergebnisse sind im weiteren Projektverlauf vorgesehen und werden über die Projektkommunikation und DBVexklusiv veröffentlicht. Auf dieser Grundlage sollen konkrete Empfehlungen für Politik, Verwaltung und Praxis erarbeitet werden, um kooperative Ansätze realistisch und praxistauglich weiterzuentwickeln.
Agrarumweltmaßnahmen aktiv mitgestalten
Kooperative Agrarumweltmaßnahmen bieten Chancen – ob sie sich jedoch langfristig etablieren lassen, entscheidet sich in der Praxis. Die aktuelle Umfrage bietet Landwirten die Möglichkeit, ihre Erfahrungen, Erwartungen und Bedenken direkt einzubringen und damit die Ausgestaltung zukünftiger Ansätze aktiv mitzugestalten.