Politik

EU-Indien-Freihandelsabkommen – Neue Chancen für Europas Agrarprodukte

Nach zwei Jahrzehnten intensiver Verhandlungen haben die Europäische Union und Indien ein historisches Freihandelsabkommen erzielt. Der Deal umfasst einen Wirtschaftsraum mit rund zwei Milliarden Menschen und setzt ein deutliches Signal für vertiefte Handelsbeziehungen zwischen Europa und dem wirtschaftlich aufstrebenden Indien. Besonders für Unternehmen in Deutschland und Berlin eröffnen sich neue Perspektiven im Exportgeschäft.

Sensible Agrarbereiche bleiben geschützt

Trotz des umfassenden Abkommens bleibt der Agrarsektor auf beiden Seiten stark reguliert. Produkte wie Rind‑ und Geflügelfleisch, Zucker, Reis, Milchprodukte, Honig oder Bananen werden bewusst von der Marktöffnung ausgenommen. Diese Vorsicht war ein entscheidender Faktor, um die Verhandlungen erfolgreich abzuschließen, ohne besonders empfindliche Bereiche zu gefährden.

Indien senkt Zölle – neue Chancen für europäische Exporte

Wesentliche Dynamik entsteht durch deutliche Zollsenkungen auf indischer Seite. Zu den Gewinnern zählen:

  • Verarbeitete Lebensmittel, Olivenöl, Margarine, Fruchtsäfte: künftig zollfrei
  • Bier: Zollsenkung auf 50 %
  • Spirituosen: Reduktion auf 40 %
  • Premiumweine: Zölle sinken auf 20 %
  • Kiwis, Birnen und weitere landwirtschaftliche Erzeugnisse: Zugang über begrenzte Kontingente

Für Hersteller und Exporteure innerhalb der EU entsteht damit ein spürbarer Wettbewerbsvorteil auf einem der am stärksten wachsenden Konsumgütermärkte weltweit. 

Öffnung eines traditionell protektionistischen Marktes

Noch offen bleibt, wie die endgültigen Regelungen zu Fasern wie Baumwolle und Flachs oder zu Düngemitteln ausfallen. Ebenso ist unklar, ob die verhandelten geografischen Herkunftsangaben vollständig Eingang in das Abkommen finden werden. Positiv hervorzuheben sind jedoch neue Kapitel zu:

  • Pflanzenschutz
  • Lebensmittelhygiene
  • Nachhaltigen Ernährungssystemen

Diese Elemente könnten langfristig für mehr Transparenz, Sicherheit und Nachhaltigkeit im bilateralen Handel sorgen.

Fazit

Große Chancen durch EU-Indien-Handelsabkommen bei begrenzten Risiken

Insgesamt bietet das Freihandelsabkommen eine strategische Gelegenheit, den traditionell stark geschützten indischen Agrarmarkt für europäische – und besonders deutsche – Anbieter weiter zu öffnen. Gleichzeitig bleiben die sensibelsten Sektoren beider Partner geschützt. Eine abschließende Bewertung wird jedoch erst möglich sein, sobald die finalen Vertragstexte veröffentlicht sind. Die Ratifizierung steht noch aus.